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März 12, 2019

Into The Glacier – Ein arktisches Abenteuer im Eis


Wenn man den Gletscher lange genug ansieht, hören Wörter auf, auch nur das Geringste zu bedeuten.

Halldór Laxness (1902-1998), isländischer Schriftsteller, Literaturnobelpreisträger

Wie gewaltig die Gletscher Islands sind und wie klein man sich am Fuße der mächtigen Eiskappen fühlt, beschreibt Halldór Laxness mit seinem Zitat sehr treffend. Wir können das bestätigen, denn wir haben den Ausflug für Sie getestet und sind begeistert.

Auf dem Gletscher Langjökull in 1355 m Höhe befindet sich eine von Menschenhand errichtete Gletscherhöhle. Im Gletscher erwartet uns ein verzweigtes Tunnelsystem, teilweise mit natürlichen Gletscherspalten, sowie verschiedenen Eis- und Ascheschichten, eine Kapelle, in der man sogar heiraten kann, und ein ganz besonderes, natürliches Soundsystem.

Aussicht vom Langjökull – Photo: Anne Steinbrenner

Ausflugsbeschreibung Into The Glacier – ein Erfahrungsbericht

In etwa zwei Fahrtstunden nord-östlich von Reykjavík befindet sich in der Region Reykholt der kleine Ort Húsafell. Dort startet das Gletscherabenteuer. Wer im Sommer mit einem Allradjeep unterwegs ist, kann auch direkt ins Base Camp Klaki fahren. Außerdem gibt es die Möglichkeit einen Shuttle-Service von Reykjavík zu buchen, wenn man keinen Mietwagen hat.

Mit den großen Schneetrucks ICE 1,2,3 oder 4 geht es vom Base-Camp auf den Gletscher. Während der Fahrt gibt es spannende Informationen über die Region, das Eistunnelprojekt, das Wetter auf dem Gletscher und was in den Tunnels zu beachten ist. Die beste Sicht hat man, wenn man auf der Hinfahrt auf der linken Seite im Truck einen Fensterplatz ergattert (auf der Rückfahrt rechts) oder ganz vorne sitzt.

Das Logo des Veranstalters graviert in Eis – Photo: Daniela Welling

Oben angekommen hält der Truck mitten auf dem Eis vor einem kleinen Tunneleingang. Dort kann man bei gutem Wetter die Aussicht über die Weiten des Gletschers genießen und bei schlechtem Wetter direkt in die windstillen Tunnel verschwinden. Die Guides statten alle Teilnehmer mit speziellen Spikes aus, die man einfach über die Schuhe ziehen kann um auf dem Eisboden in den Tunnels nicht zu rutschen. Sogar zwei Plumpsklos gibt es direkt am Anfang dem Eis. Nach einer kurzen Einweisung geht es los und alle laufen gemeinsam mit dem Guide durch die Tunnel. Neben kurzen Geschichten, Anekdoten und interessanten Informationen über Gletscher, Klimaerwärmung und Trinkwasser erzählt der Guide, wie die Tunnels erbaut wurden und welche Herausforderungen dies mit sich brachte. Kurze Stops auf dem Rundweg durch das Eis sind eine Eisbar (wo aber während der Tour keine Getränke verkauft werden), eine Kapelle, eine Gletscherspalte und die Echo-Passage. Nach ca. einer Stunde und knapp einem Kilometer zu Fuß unter dem Eis geht es zurück ans Tageslicht und mit dem Schneetruck zurück an den Ausgangspunkt.

Der Eingang zu den Eistunneln – Photo: Anne Steinbrenner

Welche Rolle spielt das Wetter für diesen Ausflug?

Scheint die Sonne und man hat eine gigantische Aussicht über den Gletscher, dann kann man sich sehr glücklich schätzen. Aber auch bei schlechterer Sicht, ist die Tour ein ganz besonderes Erlebnis. Die großen Schneetrucks sind sehr wetterfest und können auch bei Schneefall und Nebel auf den Gletscher fahren. Touren werden lediglich bei sehr, sehr starkem Wind von über 30m/s abgesagt.

Schneetruck im Schneesturm – Photo: Daniela Welling

Die passende Kleidung und Ausrüstung

Entgegen aller Erwartungen benötigt man für diesen Ausflug keine besondere Ausrüstung. In den Eistunneln hat es selbst im tiefsten Winter nur um die null Grad und ist windstill. Auf dem Gletscher selbst kann es schon sehr viel kälter und ungemütlicher sein, aber die Fahrer der Schneetrucks, parken direkt vor der Eingangsstelle der Tunnel und die Fahrzeuge sind gut beheizt. Daher muss man ausgestattet mit Mütze, Schaal, Handschuhen und Wollsocken selbst bei schlechtem Wetter nicht frieren. Bei Sonnenschein ist eine Sonnenbrille gegen die Schneeblindheit nicht verkehrt. Der Veranstalter verleiht außerdem warme Schneeoveralls und Thermostiefel im Check-In Häuschen in Húsafell.

Kinder im Eispalast – ein Ausflug für die ganze Familie?

Auch für Kinder ist der Ausflug in die Eistunnel spannend. Die Fahrt mit dem großen Schneetruck und die Eistunnel sind sowohl für kleine Eisköniginnen als auch für Jungs die sich für große Fahrzeuge begeistern ein tolles Ereignis. Die geführten Touren sind einfach zu laufen und familienfreundlich gestaltet.

Entstehungsgeschichte der Eistunnel im Langjökull

Was sich unter der Oberfläche des Gletschers Langjökull verbirgt, war in der Vergangenheit nur Wissenschaftlern und Experten bekannt und zugänglich. Im Jahr 2010 hatten zwei Isländer, Baldvin Einarsson und Hallgrimur Örn Arngrímsson, jedoch die Idee, Reisende nicht nur auf und um den Gletscher zu führen, sondern das Innenleben eines Gletscher für die Allgemeinheit sichtbar zu machen. Schon bald wurde die Idee in die Tat umgesetzt und einige Bewohner der Region begannen zusammen mit Experten das Tunnelsystem zu graben und so entstand die erste und größte von Menschenhand erschaffene Gletscherhöhle.

In den Eistunneln – Photo: Daniela Welling

Natürliche Eishöhle oder Eistunnel? Wo liegt der Unterschied?

Eine natürliche Eishöhle entsteht ohne menschliche Einwirkung durch die Wasserläufe des Schmelzwassers im Inneren eines Gletschers. Aus einem kleinen Loch oder Tunnel wird im Laufe der Zeit eine immer größere Eishöhle, welche sich laufend verändert. Innerhalb weniger Wochen erkennt man natürliche Eishöhlen oft kaum wieder. Im Sommer, wenn die Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt liegen, geht das besonders schnell und oft sind die Eishöhlen dann auch einsturzgefährdet. Auch optisch verändern sich Eishöhlen mit den Jahreszeiten. Während das Eis in den Wintermonaten am Anfang des Jahres oft blau schimmernd in der Sonne glitzert, ist es im Sommer von der Farbe eher mit Eiswürfeln im Glas vergleichbar. Auch wird durch das Schmerzwasser viel Gletscherasche von vergangenen Vulkanausbrüchen transportiert, so dass man im Sommer oft durch Pfützen watet und die Eiswände von vulkanischer Asche überzogen sind.

Into the Glacier ist daher besonders im Sommer, wenn die natürlichen Eishöhlen nicht begehbar oder weniger beeindruckend sind als im Winter, ein passender Ausflug. Wer lieber bequem auf ebenem Untergrund läuft, kann sich bei Into the Glacier getrost auf einen gemütlichen Spaziergang durch die Tunnel freuen, wohingegen natürliche Eishöhlen schon am Einstieg oft eine Herausforderung darstellen und bezwungen werden wollen.

Blick aus einer natürlichen Eishöhle im Vatnajökull im März 2018 – Photo: Daniela Welling

Alternativen auf dem Eis

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Gletscher in Island zu entdecken und jeder Reisende kann sich für sein ganz persönliches Gletscherabenteuer entscheiden. Ob bei einer Gletscherwanderung, einer Eishöhlentour durch eine natürliche Eishöhle, einer Schneemobiltour, beim Eisklettern, bei einer Bootsfahrt auf der Gletscherlagune  oder bei Into the Glacier, ein Gletscherbesuch lohnt sich. In allen Fällen ist es unbedingt ratsam nicht auf eigene Faust loszuziehen und den Gletschern und dem Wetter in Island den nötigen Respekt entgegen zu bringen. Bei Erlingsson Naturreisen helfen wir Ihnen gerne dabei mit fachkundiger Beratung die richige Tour für Ihre Reise zu finden und buchen diese für Sie nach Wunsch passend zur Reise dazu.

Klimawandel und Gletscher in Island

Die Gletscher in Island gehen stark zurück, was zum Beispiel an dem immer länger werdenden Fußmarsch vom Parkplatz zur Gletscherzunge Sólheimarjökull jedes Jahr deutlicher wird. Sie sind Islands Trinkwasserquelle und liefern Wasser, welches reich an Mineralien ist und dadurch auch für die fischreichen Meere rund um die Vulkaninsel verantwortlich ist.

Was kann man in dieser Region noch machen?

Wer sich nach dem Ausflug im Hot Pot entspannen möchte, kann dies bei einem Besuch des örtlichen Schwimmbads in Húsafell oder des Wellnessbades Krauma tun.

Auf dem Weg von Húsafell in Richtung Borgarfjörður liegen außerdem die Wasserfälle Hraunfossar und Europas größte Heißwasserquelle Deildartunguhver.

Wer noch nicht genug von Eis und Höhlen hat, kann den Besuch bei Into the Glacier auch mit der Exkursion in die Lavahöhle Víðgelmir oder auch mit einer Schneemobiltour kombinieren.

Text: Daniela Welling