Mai 10, 2020

Island fast ohne Virus und ohne Touristen


Corona-Update 10.05.2020: Wir haben es geschafft! Diesen Eindruck bekommt man beim Anblick der neuesten Covid-19-Zahlen. Die Eindämmung des Virus ging schneller als erwartet, weshalb nun die Maßnahmen sogar zügiger gelockert werden können. Eine große Erleichterung und ein Grund zu Freude, die nicht ungetrübt ist, denn  die Touristen bleiben aus. Jetzt haben die Isländer zwar ihre Insel für sich, müssen aber auch mit erhöhter Arbeitslosigkeit zurechtkommen, denn der Tourismus ist seit Jahren der wichtigste Wirtschaftszweig.

Skógafoss Covid 19 Foto: AS

Der 2-Meter-Abstand soll auch weiterhin bestehen. Der Skógafoss Anfang Mai 2020. Foto: AS

Früher als geplant zurück in den Alltag

Nach Wochen der Einschränkung werden die Maßnahmen gelockert und die Bevölkerung atmet auf. Alle Schulen sind inzwischen schon wieder seit einer Woche komplett geöffnet. Zuvor hat es in den Kindergärten und in den Grundschulen trotzdem durchgängig eine Art von Betreuung und Unterricht gegeben, allerdings in kleineren Gruppen und für kürzere Zeiträume. Langsam kehren die Menschen an ihren Arbeitsplatz zurück wobei einige Unternehmen trotzdem die Möglichkeit auf Heimarbeit weiter bestehen lassen. In der nächsten Woche öffnen die Schwimmbäder und eine Woche später die Fitnessstudios. Im Moment dürfen nicht mehr als 50 Menschen zusammenkommen, jedoch soll diese Regelung auf eine Zahl irgendwo zwischen 100 und 200 ausgeweitet werden. Auch hygienische Maßnahmen werden weiterhin bestehen bleiben. Eine Maskenpflicht gibt es hier allerdings nicht und es gibt wenige Freiwillige, die eine Maske tragen. Die Waffe im Alltag nebst Seife und Desinfektionsmittel ist die Tracing app “Rakning C-19” die ca. die Hälfte der Isländer heruntergeladen hat und die bei der Nachverfolgung von Infektionsketten bereits seit Anfang April wertvolle Dienste leistet.

Wer möchte, kann sich den Tagesschau-Bericht über die erfolgreiche Virusbekämpfung ansehen: Corona-Pandemie: Island öffnet Schulen ohne Restriktionen

Corona geht, die Erwerbslosigkeit kommt

In den letzten zehn Tagen gab es nur 3 Neufinfektionen und insgesamt noch 18 aktive Covid-19-Fälle. Im Moment gibt es nur zwei Covid-Patienten im Krankenhaus und niemanden an einem Beatmungsgerät. Das ist wirklich ein Grund zur Freude und eine wahre Erleichterung! Doch der Freude folgt sogleich die Sorge über die plötzliche, nie dagewesene Arbeitslosigkeit die mit dem Ausbleiben der Touristen einhergeht. In Reykjanesbær sind es inzwischen sogar 28% wie MBL berichtet. Dort waren viele am Flughafen beschäftigt, in dem jetzt gespenstische Stille herrscht. Genauso traurig sieht es in Vík und im Mývatn-Gebiet aus; Orte, die besonders abhängig vom Tourismus sind und die in den letzten Jahren viel investiert haben. Die Fluggesellschaft Icelandair musste nach Einbruch der Fahrgastzahlen Ende April 2.000 Mitarbeiter entlassen: ein Schock für ein Land mit nur 364.000 Einwohnern. In Reykjavík haben bereits einige Souvenirläden das Handtuch geworfen und Schaufenster sind mit Zeitungspapier zugeklebt.

Hotel Reykjavík Centrum Foto:AS

“Verwaistes” Hotel in der Aðalstræti. Foto:AS

So gut wie keine Nachfrage

Auch wenn es für die Isländer derzeit herrlich ist, in diesem dünn besiedelten Land ganz ohne Touristen die Hauptsehenswürdigkeiten zu besuchen, sind wir doch stark auf sie angewiesen. Seit 2008 ist der Wirtschaftszweig enorm gewachsen zusammen mit der entsprechenden Infrastruktur um Reisende beherbergen, unterhalten und verpflegen zu können. Im April hat sich die Auslastung der Hotels um 97% verringert wodurch auch hier zahlreiche Entlassungen stattfanden. Deshalb drängt die Regierung nun darauf, das Land langsam wieder für den Flugverkehr zu öffnen. Derzeit gibt es nur wenige Flüge und auch nur von London, Boston und Stockholm. Die Fähre Norröna verkehrt jedoch weiterhin zwischen Dänemark, den Färöern und Island, Kreuzfahrtschiffe wurden für den Frühsommer abgesagt. Einreisende müssen bisher in Island noch bis zum 15. Mai in eine zweiwöchige Quarantäne. Diese Maßnahme wird bis zum 15. Juni verlängert, ausser für Einwohner von Grönland und den Färöern (laut Pressekonferenz am 12. Mai).

Kleifarvatn Mai 2020 Foto: AS

Nur vereinzelte Besucher sieht man derzeit am Kleifarvatn. Foto: AS

Wer darf einreisen?

Island hatte Ende März die für den Schengen-Raum und die Europäische Union auferlegten Reisebeschränkungen umgesetzt, die nun bis zum 15. Juni gelten soll. Demnach dürfen Ausländer, mit Ausnahme von EU- / EWR-, EFTA- oder britischen Staatsangehörigen, nicht nach Island einreisen. Alle Ausländer mit Einwanderungsstatus in Island oder einem anderen Schengen-Staat oder diejenigen, die Familienmitglieder in denselben Ländern haben, dürfen nach Island einreisen. Allerdings ist dies in der Praxis nicht so einfach, da kaum Flüge angeboten werden. Derzeit landen nur ein oder zwei Flüge täglich in Island, an einigen Tagen gibt es gar keine Landungen. Spätestens ab dem 15. Juni soll Island langsam wieder für den Tourismus geöffnet werden.

Corona-Test am Flughafen, Gesundheitszeugnis oder Quarantäne

Reisende können dann entscheiden, ob sie in Island in eine zweiwöchige Quarantäne gehen, sich am Fughafen in Keflavík auf das Virus testen lassen oder ein Gesundheitszeugnis von der heimischen Behörde vorzeigen. Zudem sollen Reisende die Tracing app “Rakning C-19” herunterladen (laut Pressekonferenz am 12. Mai). Der Premierminister Katrín Jakobsdóttir erklärte, dass die öffentlichen und privaten Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten werden, um das enorme Projekt der Überprüfung der Ankünfte bis Anfang nächsten Monats fertig zu stellen. Die könnte auch eine Gelegenheit sein, mehr über das Virus und seine Ausbreitung zu erfahren und diese Informationen mit der Welt zu teilen.

Spekulationen zum Flugverkehr

Auch wenn die Angst vor einer Neueinführung des Coronavirus groß ist, ist eine baldige Öffnung des Landes aus wirtschaftlichen Gründen unbedingt notwendig. Auf der Pressekonferenz am 12. Mai wurde der 15. Juni als entscheidendes Datum festgelegt. Dann soll das Einreisen auch ausserhalb des Schengen-Raumes und ein regulärer Flugverkehr wieder möglich sein, wobei dieser zunächst nicht die Frequenz von vor Corona erreichen wird. Die isländische Regierung möchte es langsam angehen und vor allem die Virusbekämpfung nicht aus den Augen verlieren. In den kommenden Tagen sollen Gespräche mit den Fluggesellschaften aufgenommen werden. Island entscheidet im Hinblick auf die Reisefreiheit nicht im Alleingang, denn die Herkunftsländer der Besucher müssen das Reisen ebenfalls erlauben. Die weltweite Reisewarnung für nicht notwendige, touristische Reisen wurde vom Auswärtigen Amt in Deutschland noch bis zum 14. Juni verhängt. Auch wenn dies kein direktes Reiseverbot ist, sollte man der Reisewarnung Folge leisten um das Virus nicht unnötig weiter auszubreiten. Wenn diese nicht nocheinmal verlängert wird, könnte nach dem 14. Juni das Reisen nach Island theoretisch wieder möglich sein. Wir hoffen, dass sich in den kommenden Wochen ein konkreteres Bild über geplante Flugverbindungen abzeichnet.

Südküste bei Petursey Foto: AS

Die Küste westlich von Dyrhólaey: grenzenlose Weite und ausreichend Freiraum. Foto: AS

 

Weiterführende Links: 

Aktuelle Fallzahlen: https://www.covid.is/english

Guidelines für Touristen finden Sie unter: www.covid.is/sub-categories/tourists

Frühere Artikel von Erlingsson Naturreisen zum Thema Corona:

Island und Corona: Ein Update vom 06.04.

Wie gehen die Isländer mit COVID-19 um?

Einreiseregelung und Maßnahmen zur Vorbeugung des COVID-19 in Island

Island zu Zeiten von Corona – Die wichtigsten Informationen